Erste Worte

Die Logopädin Kerstin Winterboer informierte am Dienstagabend
im Famielienzentrum „Alter Bahnhof“ Lenningsen
über die Entwicklung der Sprache.


Lenningsen
21.08.2008

“Endlich kann mein Kind sprechen!“ Die ersten Worte begeistern die meißten Eltern.
Zuvor dienten Schreien, Körpersprache und Mimik als Ausdruck von Befindlichkeiten,
und bereits zu diesem Zeitpunkt findet die Sprachentwicklung des Kindes statt.
Diese machte am vergangenen Dienstag Abend die Logopädin Kerstin Winterboer im
Familienzentrum im Alten Lenningser Bahnhof zum Thema.

Nach den Gemeinsamkeiten der Spracherwerbstheorien, wie die Sprache sei
humanspeziefisch, der Mensch sei für den Spracherwerbsprozess vorbereitet und ohne
sprachliche Umwelt sei der Spracherwerb nicht möglich, thematisierte Kerstin Winterboer
den Sprachbaum nach Wendland. „Mit diesem Schema arbeite ich sehr gerne“, betonte die
Logopädin und machte an ihm die Sprachentwicklung eines Kindes veranschaulicht deutlich.

So spielen die Lebensumwelt, die Kultur und die Gesellschaft eines Kindes, symbolisiert durch
das Erdreich, sowie die Sinne Hören, Sehen und Tasten, die geistige Entwicklung und die
Hirnreifung, veranschaulicht durch die Wurzeln des Baumes, eine große Rolle im Spracherwerb.

Der Stamm symbolisiert weiter das Sprachverständnis, das jedes Kind von sich aus besitzt.
Die aktive Sprache des Kindes, wie die Lautbildung, die Artikulation und der Wortschatz,
stellt die Baumkrone dar.
Für eine positive Entwicklung sorgen unter anderem der Blickkontakt und das Aussprechen-lassen, Wärme, Liebe und Akzeptanz runden den erfolgreichen Verlauf ab.

Trotz aller Bemühungen des Kindes und der Bezugsperson können Sprachstörungen auftreten.
Leitsymptome sind Störungen des Lautsystems, ein Wortschatzdefizit, die fehlerhafte
Anwendung grammatikalischer Regeln, die fehlende Fähigkeit des Kindes, in Kontakt zu seiner
Umwelt zu treten sowie Lese- und Rechtschreibstörungen.

Neben diesen Sprachstörungen können aber auch Sprechstörungen auftreten, deren
Symptome Störungen der Artikulation, Stottern, Poltern sowie Störungen der am Sprechen
beteiligten Muskulatur sein können. Sprechstörungen beschreiben also die Unfähigkeit,
Sprachlaute korrekt und flüssig zu artikulieren.

„Mir ist es wichtig die Unterschiede zwischen Sprach- und Sprechstörungen, die viele
Menschen noch nicht erkannt haben, herauszustellen“, betonte die Logopädin Kerstin
Winterboer in ihrem Vortrag und gab den rund 25 Zuhörern zum Schluss einige nützliche
Tipps zum Umgang mit Kindern in der Lernphase: Geduld, keine Unterbrechungen,
ein „correctives Feedback“, keine verkürzten Sätze, keine Babysprache sowie keine
Verniedlichungen, und die deutliche und langsame Sprache sollen zum Erfolg des
Spracherwerbs beitragen. (rh)

Kerstin Winterboer stellte ihren interessierten Zuhörern den Sprachbaum nach Wendland vor.

Foto: Liesegang